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Prekäre Arbeit

Aktueller Bericht zur Situation der Mitarbeiter im Technikmuseum

Als 2003 ein Erweiterungsbau der Stiftung Deutschen Technikmuseum eröffnet wurde, stellte sich die Frage, wie man den personellen Mehrbedarf finanziert, da vom Senat keine weiteren Gelder zur Verfügung gestellt wurden. Da erinnerte man sich der eigenen kleinen Tochtergesellschaft, welche aus ganz anderen Gründen gegründet wurde und übertrug dieser ca. 10 Planungsstellen zur Betreuung von Musumsfläche, plus zwei Verwaltungsangestellte. Der weit größte Teil des Museum wurde noch immer von Stiftungsangestellten betreut. Die Vorteile der Tochtergesellschaft: Es waren für die Muttergesellschaft jetzt Sachkosten statt Personalkosten. Zudem verdienten die MitarbeiterInnen deutlich weniger als Hälfte der Stammbelegschaft (nur 6 Euro die Stunde), jedwede Zulagen oder Sonderzahlungen gab es natürlich nicht und zusätzlich schaffte die ausschließlichen Befristungen und Teilzeitanstellungen ein hohes Maß an Flexibilität für das Unternehmen.

Ca. 4 Jahre später, also 2007, kam es dann zu Auseinandersetzungen mit der Geschäftsleitung: es wurden ca. 40 Entfristungsklagen eingereicht und ein Betriebsrat gegründet. Am Ende dieser Auseinandersetzung waren fast 60 Personen entfristet, beide stellvertretenden Museumsdirektoren mussten zurücktreten (waren aber weiter im Museum beschäftigt) und der Betriebsrat hat sich erfolgreich behaupten können. Die Unterstützung von ver.di war hierbei unglaublich wichtig! Schon kurze Zeit später, wurde eine Betriebsgruppe gegründet und Tarifverhandlungen aufgenommen. Zwei Sätze aus dem Tarifkampf haben sich dabei besonders eingeprägt: „Solange ich Direktor bin, wird es keinen Tarifvertrag geben“. Und zweitens von Senatsseite: „Wir können nicht zulassen, dass die T&M einen Tarifvertrag bekommt, dann wollen andere Betrieben auch einen.“ Im Frühjahr 2009, nach mehreren Streiks und harten Auseinandersetzungen und einer anschließenden Mediationsrunde, bekamen wir dann unseren Tarifvertrag. Die langen harten Auseinandersetzungen haben sich gelohnt!

Zur Zeit hat die T&M über 160 MitarbeiterInnen, betreuen deutlich über 90% Ausstellungsfläche und stellen den kompletten Wachschutz. Auch wenn sich durch den Tarifvertrag und den starken Betriebsrat deutliche Verbesserungen einstellten, gibt es noch immer einige Baustellen: So ist der Verdienstunterschied zur Muttergesellschaft noch immer erheblich, in der Besucherbetreuung sind noch immer fast 50% der KollegInnen befristet und es gibt hier ausschließlich Teilzeitstellen. Ende letzten Jahres haben wir nun Kontakt mit Politikern aufgenommen und tatsächlich kam es dann in diesem Frühjahr daruafhin zu einer Pressekonferenz mit Read Saleh (Fraktionsvorsitzender der SPD), Tim Renner (Staatssekretär für Kultur) und dem Direktor Dirk Böndel, dass es einen Sockel von 80% an unbefristeten Verträgen geben soll. Trotz anschließender Entfristungen hat sich jedoch vor allem Aufgrund von befristeten Neueinstellungen der Sockel von unbefristeten MitarbeiterInnen nicht signifikant erhöht. Nun gab es aber weitere Ankündigungen von Raed Saleh, dass doch noch eine deutliche Erhöhung von Entfristungen kommen soll – wir sind gespannt. Zudem haben wir den Tarifvertrag gekündigt und werden auch auf diesem Wege u.a. für Entfristungen und einer deutlich besseren Bezahlung und letztlich einer Angleichung an den TV-L kämpfen – auch wenn es wieder ein langes zähes Ringen werden wird!

ver.di-Betriebsgruppe T&M GmbH

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